Mein Selbstversuch: So therapierte ich ein altes Leiden!

Ich war eher ein dünnes Kind. Vielleicht kam daher meine Bewunderung für starke Muskelmänner. Am liebsten spielte ich mit "He-Man and the Masters of the Universe" und in meinem Zimmer hing ein Poster von Hulk Hogan. Ich versuchte ihnen nachzueifern und machte fleißig Liegestütz und Klimmzüge.

 

Mit 14 Jahren war ich dann alt genug und wurde Mitglied im RFC (Rahlstedter Fitness Club). Mit viel Ehrgeiz fing ich an Gewichte zu stemmen. Tatsächlich hatte ich sogar Talent. Zwar nicht für große Muskeln, aber für mein Alter und meine Statur hatte ich viel Kraft. Meine Lieblingsübung war Bankdrücken. Man liegt in Rückenlage auf einer Bank und drückt mit den Armen eine Langhantelstange mit Gewichten hoch und runter. Eine ähnliche Belastung wie bei Liegestütz. Hauptsächlich wird bei dieser Übung die Brustmuskulatur belastet. Bereits mit 16 Jahren schaffte ich 1 mal 100 kg. Mit 22 Jahren, inzwischen muskulöses, aber immer noch sehr schlank (ca. 72kg bei 178 cm), drückte ich 1 mal 130 kg. Meine Technik ließ aber zu wünschen übrig. Hauptsache das Gewicht irgendwie schaffen. Wohl etwa mit 23 Jahren begannen meine Beschwerden. Immer mal wieder zwickte es in meinen Schultern. Ein gutes Jahr später hatte ich so starke Schmerzen, dass ich viele Monate komplett pausierte. Nach und nach begann ich erneut mit Krafttraining und konnte auch wieder trainieren. Auch schwere Gewichte konnte ich mehr oder minder beschwerdefrei bewegen. Doch nach mehreren schmerzhaften Versuchen (auch mit vielen Monaten Abstand), Bankdrücken bzw. Übungen für die Brustmuskulatur in mein Training zu integrieren, ging ich davon aus, dass dies wohl eine Einschränkung ist, mit der ich leben muss. So viel erstmal dazu, lieber Leser.

 

Vor einigen Jahren verdrehte ich mir morgens irgendwie mein Knie. Es knallte ganz laut und ich dachte mir gleich: „Ach du Sch…, da ist jetzt was passiert!" Ich hatte zwar kaum Schmerzen, aber ich konnte mein Knie nicht mehr richtig strecken und beugen. Außerdem fühlte es sich instabil an. Ich lebte damals auf Lanzarote und entschied erst mal nicht zum Arzt zu gehen. Therapeuten sind ja bekanntlich die schlechtesten Patienten und so glaubte ich daran, dass das schon wieder in Ordnung kommt. Es wurde auch besser, aber auf sportliche Belastung reagierte mein Knie äußerst unerfreut. Wieder in Deutschland, beschloss ich mein Knie untersuchen zu lassen. Im MRT fand man keine relevanten Schäden, allerdings eine fortgeschrittene Arthrose.

    Ja ja, lieber Leser. Du denkst wahrscheinlich schon: „Was für ein Jammerlappen“. Aber lies erst mal weiter.

Als ich anfing, mich mit Faszien zu beschäftigen, ging es mir primär um manuelle Behandlungstechniken. Doch wer sich für Faszien interessiert, kommt am Faszientraining nicht vorbei. Und ohne Frage war das mein großes Glück!

Schon mein Leben lang treibe ich Sport. Aber ich habe nie gedehnt! Teilweise fühlte ich mich inzwischen sogar etwas steif. Also fing ich an, in mein Training ein Dehnungsprogramm zu integrieren. Auch mit leichtem Sprungtraining begann ich. "Mal sehen, was mein Knie dazu sagt", dachte ich mir. Ich hatte ja schließlich Arthrose. Und bei Arthrose muss man mit Belastung ja vorsichtig sein, oder? Was soll ich sagen… Erstaunlicherweise hatte ich das Gefühl, dass es immer besser wurde. Nun überlegte ich mir spezielle Schwungbewegungen, um meine faszialen Strukturen, rund um mein Knie weiter zu stabilisieren und um Verklebungen zu lösen. Diese bewirkten wahre Wunder. Regelmäßig knackte und krachte es und gelegentlich verspürte ich auch einen leichten ziehenden Schmerz. Parallel zum Training behandelte ich die schmerzenden Stellen mit manuellen Faszientechniken. Und mein Knie wurde besser und besser. Die vier Basiselemente für mein Faszientraining entstanden: Springen, Schwingen, dynamisch Dehnen und maximale Gelenkbewegungen. Nach einigen Monaten gehörten u. a. intensives Sprungtraining und einbeinige Kniebeugen zu meinem festen Trainingsprogramm. Komplett beschwerdefrei!! 

 

Nachdem ich immer wieder positive Erfahrungen mit meinen Patienten und Kunden machte und täglich erlebte, was durch Faszientraining und Faszienbehandlung möglich ist, beschloss ich vor etwa einem halben Jahr, mein altes Leiden erneut anzugehen: Bankdrücken bzw. Brusttraining. Tatsächlich hoffte ich zwar auf einen Erfolg, doch wirklich daran glauben konnte ich anfänglich nicht. Denn schließlich waren mein letztes Brusttraining, das letzte mal Bankdrücken oder auch nur einfache Liegestütz beinahe 20 Jahre her...! Nun war ich mein eigener Patient. Mit Leichtigkeit drückte ich mich vom Kopfstand in den Handstand. Wirklich kaputt konnten meine Schultern also nicht sein. Also analysierte ich zuerst präzise die Bewegungen, die tatsächlich schmerzhaft waren. Als dies geschehen war, entschied ich anfangs nur dynamisch zu dehnen. Ich legte mich also täglich auf meine 25 Jahre alte Hantelbank im Keller, nahm in jede Hand ein 1-kg-Gewicht und federte mit gestreckten Armen in Rückenlage in verschiedenen Winkeln, um die entsprechenden Faszienstrukturen und auch meine Brustmuskulatur auf zu dehnen, zu öffnen. Das war zum Teil, trotz dieser leichten Gewichte, ziemlich schmerzhaft. Wieder entwickelte ich spezifische  Schwungbewegungen mit gezielten Bewegungsabläufen, die ich ebenfalls täglich durchführte. Zusätzlich behandelte ich mich mit manuellen Faszientechniken. Vorne am Oberkörper kam ich ja prima ran. Nach und nach hatte ich das Gefühl, beim dehnen, schwingen und auch beim behandeln zunehmend Verklebungen zu lösen! Mit den Wochen wurde es immer besser und ich traute mich, mit Kurzhanteln die gleiche Bewegung wie beim Bankdrücken auszuführen. Mit "gewaltigen" vier Kilo pro Seite. Kurzhanteln benutzte ich, um bei der Abwärtsbewegung, das absolute Bewegungsmaximum in den Schultergelenken zu erreichen. Wieder zog es in den Armen und Schultern, es knackte und krachte, doch zunehmend wurde die Bewegung tatsächlich freier. Irgendwann kam dann tatsächlich jener historische Moment. Ich nahm die Langhantelstange und machte wirklich wieder Bankdrücken. Ok, damals mit 20 Kilo, aber Bankdrücken. Und zwar schmerzfrei!

Inzwischen, etwa drei Monate später, trainiere ich ganz normal wieder Brust. Nur ist jetzt die Ausführung der einzelnen Brustübungen wie aus dem Bilderbuch. Und zwar einem Bilderbuch mit besonders schönen Bildern, wenn du verstehst was ich meine, lieber Leser. Beim Bankdrücken habe ich zuletzt 4 Sätze a 10 Wiederholungen mit 60 Kilo gedrückt. Da ginge sicher noch mehr, aber ich will es langsam angehen lassen. Außerdem sind Gewichte für mich jetzt zweitrangig. Ein schöner, sauberer, ruhiger Bewegungsablauf "kickt" mich inzwischen viel mehr. Für mich ist es eh nach wie vor ein kleines Wunder, dass ich wieder Bankdrücken mache.

 

Ich denke, in der orthopädischen Medizin muss dringend ein Umdenken stattfinden. Zunehmend ist das tatsächlich auch schon der Fall. Doch viel zu oft eben noch nicht.

Das schlimmste was unserem Bewegungsapparat passieren kann, ist Schonung! 

Bei Gelenkbeschwerden, Rückenschmerzen etc. wird oft auch heute noch gesagt: „Bloß nicht überlasten.", „ Halten Sie sich einfach etwas zurück, sie werden ja auch nicht jünger.“ und „Diese Bewegung lassen Sie besser ganz sein." Meiner Meinung nach, meist ein fataler Fehler!

Insgesamt sind meine Schultergelenke so frei beweglich, wie Sie wahrscheinlich zuletzt als Kind waren. Auch die Erfolge mit meinen Kunden und Patienten bestätigen meine These. 

Zur Zeit erfinde ich meinen Körper quasi neu. Dank meines Faszientrainings, aber auch meiner Faszienbehandlungen. Da unsere Faszien zur Regeneration und Anpassung Jahre brauchen und ich stets neue Erfolgserlebnisse im Training habe, glaube ich wirklich daran, dass ich auch jetzt noch die Form meines Lebens erreichen kann. 

 

Lieber Leser! Egal ob Du 18 oder 80 bist! Nutze Deinen Körper! Von selber kommt nichts. Sei aktiv, finde Freude an Bewegung. Halte Dich an die 4 Basiselemente. Oder arbeite mit mir zusammen an Deiner Faszien-Gesundheit! NICHT AUSRUH'N, TUN !!


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